Was ist die Mulesing-Methode?
Die Mulesing-Methode ist eine in Australien und Neuseeland verbreitete Praxis zur Vorbeugung gegen den Befall von Merinoschafen mit Fliegenmaden – der sogenannten Myiasis. Besonders betroffen sind Merinoschafe mit stark bewollten Hautfalten im Bereich von After und Genitalien. Dort finden bestimmte Schmeißfliegenarten (blowflies) ideale Bedingungen zur Eiablage: Wärme, Feuchtigkeit, schlechte Belüftung und Verschmutzungen durch Kot und Urin.
Die geschlüpften Maden fressen sich in Haut und Unterhaut und können das Tier bei lebendigem Leib schwer verletzen oder töten. Um dies zu verhindern, wird auf manchen Farmen Mulesing praktiziert – ein schmerzhaftes, invasives Verfahren, bei dem Lämmern ohne Betäubung Hautfalten rund um After, Vulva und Schwanz entfernt werden. Diese Wunden heilen unbehandelt und hinterlassen vernarbte, glatte Haut, auf der keine Wolle mehr wächst – dadurch sinkt das Risiko eines Fliegenbefalls. Es wird vor allem angewendet, weil es schnell und billig ist und nicht, weil es das beste Verfahren zur Bekämpfung des Fliegenmadenbefalls ist.
Ist Mulesing das Gleiche wie Krücken?
Der Begriff „Krücken“ wird manchmal synonym zu Mulesing verwendet, beschreibt jedoch in der Schafzucht ursprünglich das Scheren der Wolle rund um den Afterbereich, um Verunreinigungen zu vermeiden. Im Gegensatz zum Krücken ist Mulesing eine chirurgische Maßnahme, bei der Hautpartien abgeschnitten und nicht einfach geschoren werden. Es ist deutlich invasiver, blutiger und mit großem Tierleid verbunden – besonders, weil es in der Regel ohne Betäubung durchgeführt wird.
Ist Mulesing verboten?
Mulesing ist nicht weltweit verboten.
In Australien, dem weltweit größten Exporteur von Merinowolle, ist Mulesing weiterhin zulässig – auch auf Farmen mit kontrolliert biologischer Tierhaltung. Zwar regelt die NASAA (National Association of Sustainable Agriculture Australia Ltd.) als Bio-Zertifizierungsstelle die Haltungsvorgaben, doch auch im australischen Organic Standard sind Ausnahmen für Mulesing unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
In anderen Ländern wie Argentinien ist die Situation anders: Dort kommt es aufgrund der klimatischen Bedingungen nicht zum Befall mit Blow flies, weil es diese Fliege dort erst gar nicht gibt, sodass Mulesing dort nicht notwendig und deshalb nicht verbreitet oder erlaubt ist.
Welche Alternativen gibt es zu Mulesing?
In Australien wird seit Jahren an Alternativen gearbeitet, um Mulesing zu ersetzen oder zu vermeiden. Mögliche Ansätze sind:
- Züchtung von Merinoschafen mit glatterer Haut, die weniger anfällig für Fliegenbefall ist.
- Verbesserte Hygienemaßnahmen in der Tierhaltung.
- Medikamentöse oder mechanische Behandlungen, um Fliegen fernzuhalten.
- Einsatz von Insektiziden, wobei diese oft umwelt- und gesundheitsschädlich und deshalb im Biolandbau nicht zulässig sind.
Allerdings setzen sich diese Alternativen leider nur langsam durch – auch wegen wirtschaftlicher Interessen in der Massenproduktion. Inzwischen sind mehr als 3.000 Wollzüchter in Australien als Produzent von Wolle ohne Lämmerverstümmelung zertifiziert (Zitat: „Highlights aus der Landwirtschaft: Die Zukunft ist frei von Lämmerverstümmelung“ / Quelle: vier-pfoten.ch 21.05.2024).
Ist Bio-Merinoschurwolle mulesing frei?
Nicht automatisch. Auch Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) kann in Ländern wie Australien oder Neuseeland von Schafen stammen, bei denen Mulesing praktiziert wurde – je nach Auslegung der jeweiligen Bio-Zertifizierungsstelle.
Ein echtes Garantiezeichen für mulesingfreie Herkunft bietet nur eine transparente Lieferkette und die bewusste Entscheidung für Regionen, in denen Mulesing nicht notwendig ist – wie zum Beispiel Patagonien in Südamerika.
ENGEL: 100 % mulesingfreie Wolle – aus Überzeugung fürs Tierwohl
Wir bei ENGEL verwenden ausschließlich Bio-Merinoschurwolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung aus Südamerika (Patagonien). In dieser Region gibt es kein Vorkommen der Schmeißfliege, die das Mulesing notwendig machen würde. Aufgrund der klimatischen Bedingungen – kalte, windige Luft, starke Temperaturunterschiede – ist die Merinowolle dort stärker gekräuselt und schützt die Tiere auf natürliche Weise.
Die Wollartikel von ENGEL tragen das Qualitätszeichen „NATURTEXTIL – IVN ZERTIFIZIERT BEST“ – eine der weltweit strengsten ökologischen Textilzertifizierungen. Diese garantiert:
- Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT)
- mulesingfreie Herkunft
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